Folgende Nachricht erreichte uns die Tage.
Wer uns mehr Infos dazu geben kann, schreibt uns gerne an stuve (punkt) fclr (ät) uni (minus) ulm (punkt) de.

28.4.2016 SSV Ulm - SSV Reutlingen:

Der Schwimm- und Sportverein Ulm gilt für viele Fußballfans als "Traditionsverein". Doch in unseren Augen kann dieser Verein in der Oberliga Baden-Württemberg oder noch tiefer versauern, wenn zu dieser Tradition auch rassistisches Gedankengut zu zählen ist. Ebendies wurde vergangenen Donnerstag im Derby gegen Reutlingen auf Spruchbändern geäußert. Bezeichnenderweise behandelte weder die Lokalpresse diese menschenfeindlichen Äußerungen, noch distanzierte sich der SSV Ulm 1846 Fußball e.V..

https://www.facebook.com/ultrapeinlich/posts/1046327468783391

Bilder http://66.media.tumblr.com/44330376cb369ee1e7e7c53ae2176d55/tumblro6g1yvjg6X1twg2lno11280.jpg

http://66.media.tumblr.com/bb1b46bffda9667289ca71590ea64de5/tumblro6g1yvjg6X1twg2lno21280.jpg

Der letztere Spruchbanner dürfte sich auf die 2005 gegründete Reutlinger Ultragruppe "Szene E" beziehen.

Update 1. Juni 2016
Inzwischen gibt es eine Stellungnahme und Distanzierung von den rassistischen Spruchbändern. Uns freut es, dass diese nun stattfindet - besser spät als nie. Wörtlich heißt es:

Wir möchten uns hiermit deutlichst von den 2 in blauer Schrift gezeigten Spruchbändern am Rande des D-Blocks beim Heimspiel gegen Reutlingen distanzieren. Der Inhalt spiegelt keineswegs unsere Meinung wieder und ist in unseren Augen untragbar. Die Spruchbänder stammten nicht aus den Reihen der Ultragruppen. Uns ist es leider nicht gelungen, das Zeigen dieser Spruchbänder zu verhindern.

Nebulosa Impero 2010, Supporters Ulm 99 Mai 2016

Quelle: http://www.muensterstadt.de/stellungnahme-derby/

Warum die Verwendung der Begriffe "Flüchtlinge" oder gar "Asylanten" problematisch ist

Die beiden Begriffe werden in diesem Kontext herabwertend verwendet. In einer mehrheitlich weißen Gesellschaft ohne Fluchthintergrund werden leider immer wieder Eigenschaften sprachlich als Abgrenzungsgrund verwendet. Anderes Beispiel für eine repressive Sprachkultur ist der Missbrauch der Begriffe "behindert" oder "schwul" als Schimpfwörter.

Der Begriff "Asylant" wird sowohl für Menschen verwendet, die Asyl beantragt haben / beantragen wollen, als auch für jene, die Asyl erhalten haben. Der Rechtsstatus ist also unklar. "A." wird verwendet, um Geflüchtete zu bezeichen. Der Begriff erscheint "[...] seit 1978 regelmäßig sowohl in den Medien als auch in der Politik auf [...]"(1). Insbesondere in den Jahren 1990 und 1992 bei den Pogromen gegen Geflüchtete und der faktischen Abschaffung des Asylrechts, wurde "Asylant" als Kampfbegriff verwendet. Bezeichnend ist, dass "A." hauptsächlich für Personen aus kolonisierten Ländern verwendet wird und nicht beispielsweise für Flüchtende aus den USA. Mitunter ist dort die Ursache dafür zu finden, dass "A." mit Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität konnotiert ist.
Die kulturelle Differenz ist ein wichtiges Element des Begriffs, der tatsächliche oder zugeschriebene kulturelle Hintergrund wird dazu hergenommen, eine Unvereinbarkeit mit "der eigenen" Kultur zu konstruieren. "A." wurde und wird ebenso verwendet, um eine Differenzierung zwischen sog. "Wirtschaftsflüchtlingen" und "echten Flüchtlingen" zu machen, was Fluchtursachen und individuelle Fluchtgründe verdeckt(2).

Wir sprechen aus diesen und weiteren Gründen von Asylsuchenden bzw. Geflüchteten.

Eine abstraktere Analyse zum Begriff Flüchtling, ist übrigens hier zu finden: http://www.migazin.de/2015/11/05/hintergrund-ein-scheinbar-neutraler-begriff-fluechtling/

(1) Afrika und die deutsche Sprache, Seite 79
(2) Radiosendung zum Thema Fluchtgründe und sog. "Wirtschaftsflüchtlinge": http://www.freefm.de/node/21557