Geschafft, auch das dritte Ulmer Festival contre le racisme liegt erfolgreich hinter uns. Der Alltag hat das Orga-Team zurück und auch der Blutdruck normalisiert sich so langsam wieder. Zeit auf unsere zwei Festivalwochen zurückzublicken:
Mit fast 20 Veranstaltungen waren diese in diesem Jahr so prall gefüllt wie nie zuvor. Den Auftakt machte Jovica Arvantitelli mit einem Eröffnungsvortrag zur Ausstellung „Typisch Zigeuner? Zwischen Mythos und Wirklichkeit“ in der Volkshochschule Ulm.

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Am selben Tag bauten wir auch unsere Ausstellung im Eingangsbereich der Universität Süd auf. Sie trug den Namen „Un-Sichtbarkeiten. Alltagsrassismus in Deutschland.“ und bot allerhand kontroversen Gesprächsstoff.

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Ein neues Tag – ein neues Veranstaltungsformat: Tag zwei des diesjährigen Festivals stand ganz im Zeichen des Antirassismus-Workshops: Ob Empowerment für Betroffene, Sensibilisierung nicht-Betroffener oder eine Fortbildung zum Thema „Antidiskriminierung als Handlungsfeld der Beratung“ – hier war für jede*n etwas dabei.

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Die Vorträge „Musik für unpolitische Nazis?“ und „Rechte Regionalstrukturen im Allgäu“, geplant für den 13. bzw. 14.06. mussten aufgrund persönlicher Gründe des Referenten leider kurzfristig abgesagt werden. Wir entschuldigen uns bei allen Interessierten, die möglicherweise vor verschlossener Tür standen. Derzeit ist geplant, einen oder sogar beide Vorträge nachzuholen. Wer keinen Termin verpassen möchte, dem sei unsere Facebook-Seite wärmstens empfohlen: https://www.facebook.com/fclrulm/

Über diesen kleinen Rückschlag hinweg tröstete das Klangkost Festival, ein fröhliches Straßenfest mit Live Musik, das am Samstag den 16.06. bei bestem Wetter auf dem südlichen Münsterplatz stattfand. Die Stars des Nachmittags waren neben der Uniao do Samba, Luci, Viona & Emma, Latin Drum Circles, Lyriker Marco Kerler, Robin and the Elephant, der Soundwerkstatt Manu Stahl, Roadstring Army und Eduard 3.0 vor allem die zahlreichen selbstgekochten Suppen, die von verschiedenen antirassistischen Initiativen kostenlos an ihren Infoständen ausgeschenkt wurden.

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Nach einem freien Sonntag begann die zweite Festivalwoche mit zwei sehr unterschiedlichen Veranstaltungen: Einem Regenbogentreffen mit Batik Workshop organisiert durch das Queer-Referats der Uni Ulm und einer Informationsveranstaltung zu Situation von Geflüchteten in Calais, geleitet durch die Frauenärztin Frau Dr. Walter, die von ihren Erfahrungen vor Ort berichtete.
Und auch der nächste Tag bot einen spannenden Vortrag: Die Historikerin Dr. Maria Alexopoulou referierte über Rassismus in der Geschichte der Einwanderungsgesellschaft Deutschlands und förderte erstaunliche Parallelen zutage zwischen den rassistischen Stereotypen mit denen einst italienische Gastarbeiter und heute nordafrikanische Migranten beschrieben werden.

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Am Mittwochnachmittag füllte sich die Mensa Süd aka Welcome Café mit zahlreichen Menschen aus aller Welt: Internationalen und nationalen Studierenden – Geflüchteten und nicht-Geflüchteten.

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Im Anschluss stand eine schwierige Entscheidung an: Zum Vortrag „Wege zum Wandel – zwischen Utopie und Widerstand“ ins Roxy oder doch lieber ins Café Animo, wo der Film „Zukunft Heimat“, Ergebnis eines Filmprojekts mit afghanischen Geflüchteten, vorgeführt wurde? Sehr gut besucht waren definitiv beide Veranstaltungen.

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Eine knappe Woche nach dem Klangkost Festival unten in der Stadt wollten wir auch der Uni Ulm ein Fest widmen, im Vergleich zum Vorjahr mit verändertem Konzept und neuem Namen: UniBunt. Rund um die Hütten des musischen Zentrums bildete sich eine Allee aus Aktionsständen verschiedener Initiativen – Amnesty International, Medinetz, Queer-Referat, … – und das FCLR-Team versorgte seine Gäste mit kostengünstiger Suppe, Waffeln und Getränken. Ab 15 Uhr durften wir uns über ein Live Programm freuen: Finn Nele spielte mit Band und die Nichtschwimmer unterhielten das Publikum mit Impro-Theater.

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Anschließend setzte sich das Festival-Programm wieder unten in der Stadt fort. Kaum auf dem Festland zurück berichtete Erik Marquardt mit brandaktuellen Fotos über die Situation auf dem Mittelmeer und anderen Fluchtrouten.
Weniger überwältigte Sprachlosigkeit, dafür mehr kontroverse Diskussion regte der Vortrag „Was ist Antisemitismus“ am Folgetag an. Wo hört Israelkritik auf und fängt Antisemitismus an? – war nur eine vieler diskutierte Fragen.

Mittlerweile fest zum FCLR-Inventar gehört die jährliche kostenlose Führung durch das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, die dieses Mal am 23.06. und somit fast am Ende des Festivals stattfand. Die Festungsanlage am Stadtrand Ulms diente zu NS-Zeiten alsKonzentrationslager. Während die Besucherinnengruppe über das Gelände lief, machten sich das FCLR-Hobby-Fußballerinnen Team bereits warm zum „Kicken gegen rechts“. 16 Mannschaften hatte der die Föderation türkischer Arbeitervereine DIDF in Kooperation mit dem FCLR zusammengetrommelt. Leider schaffte es unser FCLR-Team nicht über die Vorrunde hinweg, sondern verlor mit 0:5, 0:6 und 0:4 – dies jedoch stets mit Fair-Play und Spaß an der Sache!

Mit heftigem Muskelkater betreuten wir am Folgetag unsere letzte Veranstaltung: Das Kabarett „BRD – Boris rettet die Demokratie“ mit anschließender Podiumsdiskussion. Tatsächlich rettete aber nicht Kabarettist Alexej Boris die Demokratie, sondern sein Publikum, indem es ihn davon abhielt in die Politik zu gehen.
Ende gut alles gut mag man sagen. Das FCLR 2018 ist erfolgreich abgeschlossen, doch unser Blick richtet sich auch schon wieder nach vorne. Veranstaltungen wurden für die Nachwelt evaluiert und dokumentiert und auch unser Kick-Off Treffen für das FCLR 2019 ist in konkreter Planung.

Du hast den Artikel bis hierher mit Spannung verfolgt und möchtest nächstes Jahr Teil des Orga-Teams werden? Wir freuen uns immer über helfende Hände oder kreative Köpfe. Schreib doch einfach eine Mail mit Betreff „FCLR 2019“ an stuve.fclr@lists.uni-ulm.de und wir versorgen dich mit allen nötigen Informationen zum Kick-Off.